BVBK

Brandenburgischer Verband
Bildender Künstlerinnen &
Künstler e. V.

Jörg Engelhardt

T 0174 . 681 51 17
joerge2@gmx.de
www.joerg-engelhardt.de

Börnicker Chaussee 88b
16321 Bernau

Arbeitsgebiete
Plastik/Installation

Vita
23. 05. 1978 in Wriezen geboren
1999/ 03 Goldschmiedeausbildung an der Staatlichen Zeichenakademie Hanau
2005 Gaststudium an der Kunsthochschule für Gestaltung Berlin Weißensee bei Prof. Berndt Wilde
2005/ 11 Studium an der HfK Bremen im Bereich freie Kunst/ Bildhauerei bei Prof. Bernd Altenstein
2011 Diplom bei Prof. Bernd Altenstein und Prof. Franka Hörnschemeyer
2012 Meisterschüler bei Prof. Franka Hörnschemeyer

Auszeichnungen
2002 Goldschmiedeaustausch in Vale (Norwegen)
2003 Goldschmiedestipendium Leonardo da Vinci in Cordobá (Spanien)

Einzel – Doppelausstellungen (Auswahl)
1991 Bad Freienwalde, Arztpraxis Dr. Heide Görner
1992 Berlin, Filmgesellschaft PROVOBIS mit Horst Engelhardt
1997 Frankfurt/ Oder mit Horst Engelhardt, Kunstkeller Karl Witzleben
2006 Müncheberg, „Horst ENGEL-HARDT Jörg“, Stadtpfarrkirche St. Marien
2007 Strausberg, „Tiere“, Sparkasse Petersdorf
„Horst und Jörg Engelhardt“, Galerie Karl Witzleben
2008 Seelow, „alles Affen!“, Sparkasse
2009 Berlin, „Frühlingswind“, Galerie Ingeborg Vagt
2010 Essen, „Konzentration/ Horst und Jörg Engelhardt“, Kunstraum Notkirche
Altranft, „Herbststurm/ Horst und Jörg Engelhardt“, Galerie im Schloss
2011 Bremen, Diplomausstellung, „Affenzirkus“
Bad Saarow, „Jörg und die Affen!“, Kunstraum Saarow

Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)
2002 Fürstenwalde/ Spree, Miniatur in der bildenden Kunst zum Thema, „Grenzenlos – Endlos“
2005/ 11 Neuhardenberg, Beteiligung am brandenburgischen Kunstpreis der Märkischen Oderzeitung im Schloss Neuhardenberg
2006 Bremerhaven, Klasse Altenstein, „Kunst an der Kante“, Morgensternmuseum
Stuhr, Klasse Altenstein, Leucht- Gärten
2007 Schwarzenberg, „schwarz – weiß“ Bad Saarow, Galerie Aliyas
2008 Bremen, Klasse Altenstein, „Vorwand“, Galerie Gavriel
Bremen, „Das kleine Format“, Galerie Kramer
2008/ 09 Frankfurt/ Oder, IHK Ostbrandenburg
2009 Rotenburg/ Wümme, Kunstturm, Klasse Altenstein, „Babel“
Greetsil/ Ostfriesland, Beteiligung am Imke Folkerts Preis
2011 Schwarzenberg, „Zwischen Berg und tiefem Tal“
2011/ 12 Frankfurt/ Oder, IHK Ostbrandenburg

Dialog ohne Worte
Es ist die Geschichte seines Vaters, seines Freundes, Mentors und Ratgebers, die Jörg Engelhardt in seinen Kunstwerken verarbeitet, und damit auch seine eigene. Die Geschichte eines fast unmöglichen Dialoges. „Locked in“ heißt das große Thema. Eine unheilbare, eine hinterhältige Krankheit, die die Menschen des Mittelalters als Scheintod wahrnahmen und die kaum etwas nach außen dringen lässt. Gefühle und Gedanken – eingeschlossen in einem gelähmten Körper. Jörg Engelhardt kann das Leiden seines Vaters nicht in Worte fassen, aber er kann seiner Ohnmacht, seinem Schock eine Gestalt geben – und das umso kraftvoller. Erstarrt in der Bewegung, so wirken diese Figuren, gefangen und von Eisennägeln wie von Speeren erlegt. Das Spielerische ist aus Jörg Engelhardts Arbeiten gewichen. Der Zirkus, die Manege, die Show, das Schauspiel, der Spaß, die kecke Inszenierung, die Leichtigkeit und Ironie sind Vergangenheit. Diese Tiere hält kein Dompteur mehr im Zaum. Es ist der Versuch eines Ausbruchs, den der Sohn mit seinen filigranen Figuren skizziert, das Ringen um Worte.

Seine ersten Affen waren einfach nur frech, blöd, naiv, unbekümmert, wild und schräg. Sie wirkten wie große Denker, auch wenn sie sich nur am Kopf kratzten, waren introvertierte Träumer, einsame Melancholiker oder triebhafte Poser, vor Männlichkeit platzend, hemmungslos, fehlbar, putzig, fast lächerlich – und darin sehr menschlich. Er hielt den Menschen den Spiegel vor, ohne dass die sich gleich ertappt fühlten, schuf Sinnbilder für das soziale Miteinander. Nunmehr sind seine Protagonisten zur Sprachlosigkeit verdammt, nur minimaler Bewegung fähig. Und doch wirken sie lebendig, wie atmende Wesen. Eine Kupferpatina verleiht ihnen eine Anmutung, als ob sie schon alt wären, jahrzehntelang der Witterung preisgegeben und mit Grünspan bedeckt. Da blinkt und schimmert nichts, es sind Lebewesen mit einer Geschichte, alles andere als glatt. Sie sind farbig wie das Leben selbst. Die gratigen Stücke wirken rau und echt, die Spuren von Hammer, Meißel und Feile sollen bleiben. „Das ist ehrlicher“, sagt der Künstler.

Es ist eine grausame Welt, die der 33-Jährige da zeigt. Eine Welt von Gefangenschaft dominiert, von Zwang, äußerer Gewalt, innerer Sprachlosigkeit – aber auch dem leidenschaftlichen Drang nach Freiheit. Das ist der Zirkus nach der Vorstellung, Tiere in Käfigen, auch in unsichtbaren. Ein schauriges Kuriositätenkabinett voller gebrochener Figuren und seelischer Krüppel. Da ist der „Tanzaffe“, von langen Stahlnägeln durchbohrt steht er auf seinem Sockel, die Grimasse zum qualvollen Grinsen erstarrt, der Körper verdreht – im hoffnungslosen Versuch sich zu befreien. Das Motiv kehrt wieder im Werk „Aussichtsloser Tanz mit Stahlnägeln“: Das muskulöse Tier ist an der Wand festgetackert, in eine lächerliche Position gezwungen, es kann ob seiner Schmerzen noch nicht einmal straucheln und wirkt doch so voller Energie. Dann das zentrale Motiv „Locked in“: Nicht einfach gefangen ist dieser Gorilla, vielmehr nach Folter sieht es aus, wie er in dem viel zu kleinen Zwinger steht, mit Gewalt aufrecht gehalten von den Eisenstreben um ihn herum, seine lautlosen Schreie sind förmlich zu hören. Was folgt ist der „Ausbruch“: Diese Figur schleppt ihre wie ein rostiger, vernieteter Metallsarg wirkende Transportkiste, dem sie doch nicht entkommen kann. Nicht weniger eindrucksvoll ist ein grausamer Käfig aus Rosenzweigen: In „Megahütte“ scheint der bronzene Anthropoid sein Gefängnis aus dornigen Balken sogar noch zu küssen.

Engelhardt erweckt die schwere Bronze zum Leben, Materialien, die er findet, integriert er in seine Kunstwerke, Stöcke, Äste, Blätter, Wurzeln. So kreierte er „Günther Ü. und Jörg I.“: Zwei einander mit dem Rücken zugewandte Figuren, mit einem Seil verschlungen, die Augen mit Stricken verschnürt. Einem Gorilla setzt er die stachelige Hülle einer Kastanie auf wie einen Helm. Seine Motive findet er im Tierpark oder im Zirkus, eine Zeitlang war er fast täglich im Zoo, beobachtete Mimik, Gestik, Haltung und Bewegungen der Schimpansen, machte Skizzen für seine Ölbilder und Bronzearbeiten. Am Tag seiner Diplomverteidigung stieg er selbst in die Manege, als Zirkusdirektor. Hinter einer roten Kordel erweckte er eine ganze Arena zum Leben. Wie in seiner Arbeit „Allez hopp!“, wo der Dompteur seine vier Löwen in der Manege in Schach zu halten versucht. Aber wie lange noch? Das Tier in seinem Rücken setzt schon zum Sprung an.

Jörg Engelhardt ist gelernter Goldschmied und schloss seinem Gastaufenthalt an der Kunsthochschule für Gestaltung Berlin-Weißensee ein Studium der freien Kunst und Bildhauerei an der Hochschule für Künste Bremen an. Im vergangenen Jahr machte er sein Diplom bei Prof. Bernd Altenstein und Prof. Franka Hörnschemeyer. Er sei einer von wenigen, die noch „rausgehen, beobachten und figürlich arbeiten“. Das „alte Handwerk“, für das auch sein Vater stehe, zähle nicht mehr viel. Für ihn aber bedeute die harte, schweißtreibende Bildhauerei, das Formen am Wachstisch, das Gießen der heißen Bronze in eine Form, auch ein Opfer, sagt Engelhardt. Überhaupt, Bronze, dieses „dekadente, edle Material“. Mit zwölf Jahren goss er seine erste Figur in dem Atelier, das Adolf Hitler seinem Lieblingsbildhauer Arno Breker einst zum Geschenk machte. Dort ist er aufgewachsen, auf dem Oderbruchhof in Jäckelsbruch, einem ehemaligen Rittergut, umgeben von weiten Felder und sumpfigen Wiesen unter einem weiten Himmel. Einem wie verzauberten Ort, wo im angrenzenden Park die grünen Kacheln eines Bassins zuwuchern und der Stein von alten französischen Statuen platzt. Nicht nur das Atelier, der ganze Hof und die Wiese stehen voller Skulpturen seines Vaters. Jörg Engelhardt hält die Stille nicht mehr aus. Er will mit seinem Vater wieder sprechen, einen Dialog, irgendwie. Und den schafft er nun mit seiner Kunst.
Susanna Hoke,
freie Journalistin

© Jörg Engelhardt 2012
Keine Sprache
2009
46,2 x 94 x 27,7 cm
Holz, Bronze, Eisen
© Jörg Engelhardt 2012
Orang Utan
2007 ca. H 70 cm x B 40 cm x T 40 cm
Holz bemalt
© Jörg Engelhardt 2012
Affe
2009
ca. H 70 cm x B 25 cm x T 20 cm
Bronze